Was will reatch?

Wissenschaften schaffen Fakten und Ängste. Fakten, weil wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften unseren Blick auf die Welt und unseren Alltag massgeblich beeinflussen. Ängste, weil Wissenschaften und Technik niemals wertneutral sind und auch missbraucht werden können.

In vielen gesellschaftlichen Fragen üben die Wissenschaften deshalb einen beachtlichen Einfluss aus, geniessen aber nur wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Das ist gefährlich für eine freiheitliche Demokratie, denn es fördert technokratische Tendenzen auf der einen und anti-wissenschaftlichen Bewegungen auf der anderen Seite.

Um dem entgegenzuhalten, müssen wir:

  • das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaften stärken;
  • das Verantwortungsbewusstsein der Forschenden fördern;
  • eine fundierte Meinungsbildung ermöglichen

Das Ziel: Eine wissenschaftsfreundliche Kultur schaffen, in der Wissenschaftler*innen aktiv an der Gestaltung und Umsetzung gesellschaftlicher Ziele mitwirken und das Potential der Wissenschaften ausschöpft, ohne unverantwortliche Risiken einzugehen.  

Im Detail verstehen wir diese Zielsetzung folgendermassen:

Vertrauen stärken: Falsche Erwartungen entkräften, gerechtfertigte Ansprüche erfüllen

Wissenschaft ist keine Problemlösungsmaschine. Wissenschaftler*innen haben deshalb das Recht, auf ihre wissenschaftliche Freiheit zu pochen und sich gegen übertriebene Erwartungen von Seiten der Gesellschaft zu wehren. Umgekehrt sind sie verpflichtet, keine falschen Versprechungen über den Nutzen ihrer Forschung zu machen und die gerechtfertigten Ansprüche der Gesellschaft auf Wissensgewinn zu erfüllen.

Vertrauen stärken: Diskussion öffnen und Kritiker*innen einbinden

Diskussionen über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Wissenschaften dürfen nicht nur unter Wissenschaftler*innen geführt werden. Auch Kritiker*innen wissenschaftlicher Errungenschaften haben das Recht, angehört und in die Diskussion eingebunden zu werden.

Verantwortungsbewusstein fördern: Wissenschaftliche Expertenrolle wahrnehmen

Die Arbeit verwantwortungbewusster Wissenschaftler*innen hört nicht bei der reinen Wissensgewinnung auf. Ebenso gehört dazu die Neu-Verortung und Vermittlung neuen Wissens gegenüber anderer Disziplinen und der Gesellschaft.

Verantwortungsbewusstein fördern: Grenzen der Wissenschaft anerkennen

Viele Menschen gehen davon aus, dass wissenschaftliche Fakten gleichzusetzen seien mit gesellschaftlichen Handlungsempfehlungen. Abweichende Meinungen seien einzig auf einen Mangel an Wissen zurückzuführen: Wenn die Menschen besser über Gentechnik, Impfungen oder Tierversuche informiert wären, so der Gedanke, dann würden sie zwangsläufig «richtig» denken und handeln. Das ist ein Fehlschluss. Es ist möglich, wissenschaftliche Fakten anzuerkennen, ohne die Handlungsempfehlungen von Wissenschaftler*innen annehmen zu müssen.

Fundierte Meinungsbildung ermöglichen: Kompetenzteilung fordern und Zusammenarbeit fördern

Gesellschaftliche Probleme sind komplex. Nur dank Wissensteilung und Zusammenarbeit sind wir dazu in der Lage, konsensfähige und verantwortungsvolle Lösungen zu erarbeiten. Es gilt deshalb, unterschiedliche Kompetenzen anzuerkennen und die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Disziplinen sowie zwischen Wissenschaften und Gesellschaft zu fördern.

Fundierte Meinungsbildung ermöglichen: Wissenschaftliche Komplexität anerkennen

Viele von uns erwarten klare Antworten und einfache Lösungen von der Wissenschaft. Sie soll uns zeigen, wie wir die Herausforderungen des Klimawandels meistern, gesund bleiben und glücklich durch das Leben schreiten können – und das Ganze am liebsten so schnell, bequem und günstig wie möglich.

Doch Wissenschaft hat die Angewohnheit, aus einem «Entweder-Oder» ein Kontinuum zu schaffen; Schwarz und Weiss in Grauzonen zu verwandeln. Kurz: Sie ist sehr erfolgreich darin, die Dinge ausgesprochen kompliziert zu machen. Diese Komplexität gilt es auch im öffentlichen Diskurs über Wissenschaft anzuerkennen.

 

«reatch vermittelt zwischen der Gesellschaft und der Wissenschaft und schliesst somit eine wichtige Lücke im heutigen System. Die Wissenschaft dient u.a. dem Fortschritt der Gesellschaft und es ist deshalb wichtig dass die Erkenntnisse der Wissenschaft gut vermittelt werden. Entscheidend ist aber ebenso, dass sich die Wissenschaften in gesellschaftlichen Debatten einbringen und dabei mit Fakten und Erläuterungen zu einer guten Diskussionskultur beitragen.»

Nicolas Zahn, Business Consultant Credit Suisse & Co-Präsident Operation Libero

 

«reatch engagiert sich nicht nur für die Kommunikation zwischen Akademie und Gesellschaft, sondern setzt sich auch immer wieder mit der grundlegenden Frage auseinander, wohin diese überhaupt gehen sollen.»

Philippe Valmaggia, Medizinstudent Universität Basel