Nein zum Forschungs- und Medizinverbot

Eine Initiative bläst zum Frontalangriff auf Forschung und Medizin. Doch wer das Kind mit dem Badewasser ausschüttet, sollte sich über nasse Füsse und Geschrei nicht wundern.

13. Dez 2019 · Servan Grüninger

Der folgende Artikel ist in der Winterausgabe des Magazins frei denken erschienen.

«Impulse für Sicherheit und Fortschritt» verspricht die Initiative «Ja zu einem Tier- und Menschenversuchsverbot». Doch gut gemeint ist nicht gut gemacht. Würde die Initiative angenommen, dann wäre dies das Ende von biomedizinischer Spitzenforschung und Medizin von Weltklasse in der Schweiz. Konsequenterweise müsste man die Vorlage «Forschungs- und Medizinverbotsinitiative» nennen.

Geht es nämlich nach dem Willen der Initianten, sollen Versuche an Mensch und Tier verboten werden und die daraus entstehenden Medikamente gleich dazu. Keine Versuche mehr, um Therapien gegen Krebs, Hirnerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Leiden zu erforschen. Keine Grundlagenforschung mehr an Mensch und Tier, um die Geheimnisse unseres Gehirns zu entschlüsseln. Und keine neuen Medikamente mehr – egal wofür. Denn diese werden überall auf der Welt an Tier und Mensch getestet und wären damit laut Initiative verboten in der Schweiz. Wenn also Forschende in den USA eine neue Therapie gegen Darmkrebs entwickeln, dann dürfte diese in der Schweiz nicht zum Einsatz kommen.

Geholfen ist damit niemandem. Eine Annahme der Initiative würde die biomedizinische Spitzenforschung in der Schweiz zerstören, das Leben von Patientinnen und Patienten gefährden und keinem einzigen Tier das Leben retten. Im Gegenteil: Die Forschung wandert ab nach Europa und in die USA, nach China und Japan. In Regionen also, in denen die Tierschutzgesetze weniger streng sind als in der Schweiz. Wer wirklich «Impulse für Sicherheit und Fortschritt» in der biomedizinischen Forschung setzen möchte, sollte Vorschläge für gezielte Verbesserungen machen und keine destruktiven Totalverbote fordern.

Autor*Innen

Servan Grüninger ist Mitgründer und Präsident von reatch. Er hat seinen Bachelor mit Politikwissenschaft und Recht begonnen und seinen Master mit Biostatistik und Computational Science beendet. Neben seiner akademischen Arbeit schreibt Servan seit mehreren Jahren für verschiedene deutschsprachige Medien im In- und Ausland. Für weitere Informationen: www.servangrueninger.ch.

Disclaimer

Der vorliegende Blogeintrag gibt die persönliche Meinung der Autoren wieder und entspricht nicht zwingend derjenigen von reatch oder seiner Mitglieder.