Gentests am Menschen

Gentests am Menschen

Humangenetische Tests werden immer einfacher, günstiger und häufiger. Über ausländische Internet-Firmen sind sie für jedermann und -frau direkt zugänglich. Doch wie ein Fingerabdruck ist das Resultat jedes Tests unterschiedlich und individuell. Gentests können unter Umständen zu unverständlichen Resultaten, Ängsten, Verwirrung und steigenden Gesundheitskosten führen. Gleichzeitig können sie die Gesundheit fördern, der Krankheitsprävention dienen oder zu erfolgreichen Behandlungen beitragen. In der klinischen Praxis in der Schweiz stagnieren trotz wachsender Möglichkeiten die Kostenübernahmen genetischer Untersuchungen durch die Krankenkassen. Wann machen Gentests Sinn, wann nicht?

Spätestens seit sich die Schauspielerin Angelina Jolie aufgrund eines genetischen Defektes vorsorglich ihre Brüste hat entfernen lassen ist die Nachfrage nach genetischen Untersuchungen auch in der Schweiz stark angestiegen. Durch die explosionsartig wachsenden Forschungsresultate werden ausserdem genetische Tests immer häufiger in der Klinik anwendbar: zur Verbesserung der Medikamentendosierung und -wirksamkeit, zur Feststellung, Klassifizierung und Vorhersage des Krankheitsverlaufs bei Krebserkrankungen, oder auch zur Vorhersage eines Erkrankungsrisikos bei bislang gesunden Menschen. Werdende Eltern müssen sich mit den Möglichkeiten der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik auseinandersetzen. Genetische Tests werden in durchaus seriöser Aufmachung im Internet zum Verkauf angeboten und nach Hause geschickt, denn Kunden können durch das Einschicken einer Speichelprobe ihr Genom günstig und selbständig analysieren lassen - auch zu nicht-medizinischen Zwecken wie Ahnenforschung, Sporttalentierung oder Ernährungstipps. Solche im Internet angebotenen Gentests sollten gemäss der Expertenkommission für genetische Untersuchungen beim Menschen (GUMEK) mit Vorsicht genossen werden.

Das Besondere an genetischen Untersuchungen ist, dass die Anwendungsgebiete sehr vielfältig und die Resultate zudem sehr persönlich sind - jeder Gentest ist anders! Der Sinn und Unsinn genetischer Tests wurden und werden in der Schweiz rege diskutiert, alle Vor- und Nachteile sind jedoch abhängig vom Anwendungsgebiet und der getesteten Person. Aktuelle Schweizer Projekte wie das Swiss Personalized Health Network oder die Swiss Biobanking Platform illustrieren zudem das Potenzial, das viele Expert*innen, Investoren und öffentliche Geldgeber in dieser Entwicklung sehen. Auch die aktuelle politische Diskussion zur Revision des Gesetzes über genetische Untersuchungen am Menschen (GUMG) widerspiegelt die wachsende gesellschaftliche Bedeutung genetischer Tests in der Schweiz.

Mit den sinkenden Kosten und der Erweiterung des Wissens durch die Forschung wird das Thema des genetischen Testens schon bald eines, das nicht nur kranke oder familiär vorbelastete Menschen betrifft, sondern uns alle. Die neuen Möglichkeiten stellen uns auch vor gesundheitsökonomische Herausforderungen: Wie sollen die steigenden Kosten des Gesundheitswesens aufgefangen werden? Und wie die Überalterung der Bevölkerung, die durch neue Präventions- und Früherkennungsmassnahmen noch verstärkt werden wird?

Aufgrund dieser Ausgangslage werden komplexe und schwierige Entscheidungen auf das Schweizer Stimmvolk zukommen. Leider sind zum Thema genetische Tests am Menschen noch immer zu wenige faktenbasierte Informationen für Laien verfügbar. Einige Anwendungsbereiche sind mit diversen ethischen Konflikten behaftet, beispielsweise: Möchte ich einen spezifischen genetischen Test oder nicht? Was möchte ich wissen, was nicht? Erzähle ich meinen Verwandten vom Testresultat? Lasse ich meine (ungeborenen) Kinder testen? Inwiefern möchte ich biologische Merkmale meinen Lebensstil bestimmen lassen? Wie gehe ich mit einer Prozentzahl für ein bestimmtes Risiko um?

Diese Thematik wird in diesem Projekt in Form eines Positionspapiers zur genetischen Beratung in der Schweiz sowie einer generellen Sensibilisierungskampagne zu humangenetischen Tests aufgegriffen.

Aktuell suchen wir noch Unterstützung in der Projektarbeit - zum Beispiel:

  • Projekt Co-Leitung: Du sammelst gerne Führungserfahrung und Projektmanagement, Fundraising und Mitarbeiterrekrutierung interessieren dich
  • Content Management: Du schreibst gerne Texte zum Thema Gentests, entwickelst mit uns zusammen die Inhalte und hilfst mit beim Strategiepapier
  • Multimedia Expertise: Du bist ein Kommunikationstalent und kennst dich aus mit Facebook, Twitter und Co.
  • Event Management: Du organisierst gerne Vorträge, Podiumsdiskussionen und Seminare und kannst gut mit Leuten aus Forschung, Wissenschaft und dem Gesundheitswesen umgehen

Du möchtest dich einbringen, oder einfach mehr über das Projekt erfahren? Melde dich bei Bettina Zimmermann.

Verantwortlich

  • Bettina Zimmermann