Insektensterben

Insektensterben

NEWS: Das Projekt rund ums Insektensterben nimmt Form an und erste Veranstaltungen sind in Planung. Werde Teil unseres interdisziplinären Projektteams und bring dich mit uns in die hochaktuelle Debatte ein!

Kürzlich haben in der Schweiz über 165'000 Menschen eine Petition unterzeichnet. Unter dem Titel «Insektensterben aufklären» fordert diese Bundesrat und Parlament dazu auf, das Insektensterben eingehend zu untersuchen, bestehende Aktionspläne umzusetzen, neue Massnahmen einzuleiten und die Gesellschaft über den ökologischen Wert der Insekten zu informieren. Bereits vor ihrem Start sorgte die Petition für heftige Diskussionen. Mehrere grosse Umweltverbände verweigerten ihre Unterstützung. Kritisiert wurden unter anderem die Signale, welche durch den Titel der Petition gesendet würden: beim Insektensterben gelte es jetzt zu handeln, nicht aufzuklären.

Als 2012 der Dokumentarfilm «More than Honey» in den Kinos lief, stand ein Insekt im Zentrum der Aufmerksamkeit: die Biene, oder genauer die Honigbiene. Sprach man damals noch vom “Bienensterben”, so ist heute bereits vom «Insektensterben» die Rede. Spätestens seit im Oktober 2017 eine deutsche Studie den dramatischen Rückgang der Biomasse von Fluginsekten (>75% über 27 Jahre) feststellte, hat sich das “Insektensterben” als starkes Narrativ in Medien, Öffentlichkeit und Politik festgesetzt. Der Landwirtschaft fällt dabei meist die Doppelrolle der Hauptverursacherin und Hauptleidtragenden zu. Pestizide, die Zukunft der Nahrungssicherheit und die Bezifferung der Folgekosten eines hypothetischen Insekten-Totalausfalls dominieren die Debatte. Eindimensionale Ursache-Wirkung-Muster greifen bei der Beschreibung des Insektensterbens allerdings genauso zu kurz, wie der Vorwurf, die ökologischen und landwirtschaftlichen Zusammenhänge seien noch zu wenig erforscht, um daraus politische Konsequenzen ableiten zu können. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass aus wissenschaftlicher Sicht viele Fragen offen sind, zu deren Beantwortung oftmals wichtige historische Vergleichsdatensätze fehlen. Wer sich aufmacht, in Sachen Insektensterben zu vermitteln, begibt sich auf heikles Terrain.

Heikel ist die Debatte ums Insektensterben besonders aus zwei Gründen: Zum einen ist sie durch Interessenbindungen und (ökonomische) Partikularinteressen politisch stark aufgeladen – mit dem Resultat, dass die Verantwortung zwischen Bundesämtern, Landwirtschaft, Chemiekonzernen und Politik hin und hergeschoben wird. Zum anderen erfordert ein derart komplexes Thema höchste Sorgfalt in der wissenschaftlichen Argumentation – ein Punkt, dem die mediale Berichterstattung nur selten gerecht wird. Die Debatte scheint gefangen zwischen allgemeinem Alarmismus, wissenschaftlicher Zurückhaltung, ökonomischem und politischem Kalkül. Welcher Grad an wissenschaftlicher Evidenz kann und muss für konkrete Massnahmen gefordert werden? Welche Rolle spielen ethische Grundsätze und ökologische Verantwortung? Zur Beantwortung dieser Fragen ist eine interdisziplinäre Herangehensweise zwingend: die Biologie ist genauso gefragt wie die Philosophie.

Das Projektteam verfolgt die politische und öffentliche Debatte sowie die Positionen der Forschung zum Thema “Insektensterben” und erarbeitet ausgewogene Standpunkte zu folgenden Fragen:

  • Setzen wir die richtigen Schwerpunkte in der Forschung?
  • Welche Narrative bestimmen den medialen, öffentlichen und politischen Diskurs?
  • Werden vorhandene Ressourcen effektiv genutzt und findet ein ausgewogener Dialog zwischen allen Akteuren statt?
  • Setzen wir auf die richtigen Massnahmen im Bezug auf den Schutz der Insekten?

Damit möchten wir eine unabhängige Entscheidungsgrundlage für die Politik und eine breitere Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und den Dialog zwischen Forschenden, Medien und Interessengruppen fördern. Dafür benötigen wir Unterstützung bei der Projektmitarbeit – unter anderem für folgende Projektaufgaben:

  • Observation: Je nach Interesse und Kenntnissen verfolgst du die politische und öffentliche Debatte, besuchst Tagungen, führst ein Mediendossier oder identifizierst und verfolgst wissenschaftlich relevante Publikationen und Projekte.
  • Content Management: Du schreibst gerne Texte und Artikel und bringst breite Themenfelder sachlich auf den Punkt.
  • Multimedia Expertise: Du bist ein Kommunikationstalent und kennst dich aus mit Facebook, Twitter und Co.
  • Event Management: Du organisierst gerne Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops und kannst gut mit Menschen verschiedenster Hintergründe umgehen.

Spricht dich eine Aufgabe besonders an? Oder möchtest du  unverbindlich in unsere Projektarbeit reinschauen? Dann melde dich bei Levyn Bürki .

Verantwortlich

  • Christina Wolf & Levyn Bürki